• Was sind die wesentlichen Ziele des Projektes BrennerLEC?

    Das Trentino- Südtirol ist als alpine Region mit hohem naturalistischem und landschaftlichem Wert international anerkannt. Die Region hat etwa 1 Million Einwohner und mehr als 7 Millionen Touristen pro Jahr (Quelle ASTAT 2014). Die bestehenden Straßen- und Schieneninfrastrukturen gewährleisten den freien Waren- und Personenverkehr zwischen Italien und Nordeuropa. Die Umweltbelastung, welche der Verkehr in den engen Alpentälern erzeugt, ist gemeinsam mit den damit verbundenen Gesundheitsrisiken von besonderer Bedeutung. Dieses schwierige Verhältnis zwischen Umweltschutz und dem freien Verkehr von Personen und Gütern stellt eine besondere Herausforderung desStraßenverkehrssektors dar. Die durch den Verkehr verursachten Emissionen von Luftschadstoffen, Lärm und Treibhausgasen erfordern konkrete Aktionen, um die Luftqualität schnellstmöglich in Einklang mit den europäischen Normen im Bereich der Luftreinhaltung zu bringen und der Bevölkerung eine bessere Lebensqualität zu sichern. Das Projekt BrennerLEC wird mit EU-Mitteln zum Schutz der Umwelt und der Natur finanziert und hat das primäre Ziel, die Umweltverträglichkeit des Transitverkehrs im Brennerkorridor zu erhöhen. BrennerLEC steht dabei als Abkürzung für „Brenner Lower Emissions Corridor" (emissionsarmer Brennerkorridor). Das ehrgeizige Ziel von BrennerLEC ist, durch Erreichung der Umweltziele (Verbesserung der Luftqualität, Verringerung der Treibhausgase und des Lärms) bei gleichzeitiger Verbesserung der Transportleistung (Erhöhung der Transportkapazität und der Sicherheit) eine „win-win"-Situation zu schaffen.
    Die Reduzierung der Schadstoffemissionen soll anhand folgender Strategien erreicht werden:
    - Steuerung der Verkehrsströme mittels einer Kombination aus der dritten dynamischen Fahrspur und dynamischer Geschwindigkeitsreduzierung.
    - Dynamische Steuerung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf Basis der europäischen Luftqualitätsstandards.
    - Steuerung der Verkehrsströme in der Nähe von Ballungszentren anhand „intelligenter" und interagierender Beschilderung.
    Das Projekt wird im Abschnitt zwischen Bozen Nord und Rovereto Süd erprobt und soll als Prototyp zur Anwendung der Verkehrssteuerung auf den gesamten alpinen Autobahnabschnitt dienen.
  • Wo wird das Projekt umgesetzt?

    Der Testabschnitt der A22 wird sich von Bozen Nord bis Rovereto Süd erstrecken und soll als Prototyp zur Anwendung des untersuchten Verkehrsmanagements auf den gesamten alpinen Autobahnabschnitt dienen. Auf einer Länge von 91 km werden dabei folgende Tests durchgeführt:

    1. Auf der Südspur des gesamten Abschnittes wird die dynamische Geschwindigkeitsregelung getestet. Sie soll dazu dienen, Verkehrsspitzen, Staubbildung, stop&go-Situationen oder andere Verkehrsflussstörungen zu vermeiden.
    2. Ebenfalls auf der Südspur aber lediglich zwischen Trento Süd und Rovereto Süd (ca. 23 km) wird die dynamische Fahrspur mit dem Ziel getestet, ihre optimale Anwendung in Verbindung mit der dynamischen Geschwindigkeitsregelung zu untersuchen.
    3. Zur Reduzierung der Luftbelastung und zur Vermeidung von Überschreitungen der EU-Grenzwerte wird zwischen Neumarkt und San Michele all'Adige (ca. 10 km) auf beiden Fahrbahnen die dynamische Verringerung des Geschwindigkeitslimits getestet.
    4. In Nähe der Städte Bozen, Trient und Rovereto werden in Zusammenarbeit mit den Stadtverwaltungen moderne Informationsbeschilderungen zur Verteilung der Verkehrsflüsse auf weniger umweltbelastende Routen getestet.

  • Wann wird das Projekt realisiert?

    Das Projekt hat im September 2016 begonnen und wird bis April 2021 laufen. Die ersten drei Monate dienen zur Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur und Ausrüstung zur Durchführung der Tests und Überwachung der Effekte. Die ersten Tests werden am Anfang 2017 an kurzen Abschnitten der Autobahn starten. Im weiteren Verlauf werden diese häufiger werden, damit alle notwendigen Informationen zur Durchführung der nachfolgenden Phasen bereitgestellt werden können. Ab März 2018 wird auf der gesamten Teststrecke mit den Tests begonnen, um eine umfassende Quantifizierung des Nutzens für Umwelt und Verkehr zu erhalten und so die Einleitung der finalen Testphase zu ermöglichen. Ab Oktober 2019 sollen alle geplanten Maßnahmen auf der gesamten Teststrecke Anwendung finden. In dieser Phase sollen die Methodik und Modalitäten zur Optimierung der Maßnahmen verfeinert werden. Das Ziel ist, in den ersten Monaten 2021 ein aktives System, getestet und optimiert zu haben, welches auch auf anderen Abschnitten der A22 im Alpenkorridor, insbesondere zwischen Brenner und Verona angewandt werden könnte.
  • Welche Vorteile für die Umwelt bringt eine Geschwindigkeitsreduzierung?

    Geringere Luftschadstoffemissionen, einen geringeren Kraftstoffverbrauch, weniger Lärm, mehr Verkehrssicherheit. Eine Reduzierung der Geschwindigkeit von 130 km/h auf 100 km/h führt dazu, dass bei Diesel-PKW's im Durchschnitt 39% weniger Stickoxide und 22% weniger CO2, bei gleichzeitiger Kraftstoffeinsparungen, ausgestoßen werden (exaust). Diese Daten stammen aus der aktuellen Version des Rechenmodells COPERT v4.11. In Österreich durchgeführte Feldstudien bestätigen diese signifikante Reduzierung der Emissionen. Einer der Ziele der Projektes BrennerLEC ist die empirische Überprüfung dieser Ergebnisse anhand einer detaillierten Analyse des auf der A22 fahrenden Fuhrparks.
  • Wieviel Zeit verliere ich durch die Reduzierung des Geschwindigkeitslimits?

    Bei starkem Verkehr kann eine Verringerung der Geschwindigkeit dabei helfen, Staus zu reduzieren und führt daher eher zu einer Verkürzung als zu einer Verlängerung der Reisezeiten. Im Fall von kritischen Situationen für die Luftqualität und entsprechender Reduzierung des Geschwindigkeitslimits nehmen die Fahrzeiten tatsächlich zu. Betrachten wir, was dies in der Praxis tatsächlich bedeutet. Auch wenn es im Voraus nicht möglich ist die "ideale Geschwindigkeit" für das dynamische Geschwindigkeitslimit zu bestimmen, kann von einer Bezugsgeschwindigkeit von 100 km/h ausgegangen werden.Im Falle von Luftverschmutzung würde auf bestimmten Autobahnabschnitten (ca. 10 km zwischen Neumarkt und San Michele) für eine begrenzte Zeit eine Reduzierung des Geschwindigkeitslimits um 30 km/h erfolgen, was zu einer Erhöhung der Fahrzeiten führen würde. Im speziellen Fall des Projekts BrennerLEC handelt es sich um zusätzliche 83 Sekunden, bei einer Fahrt, welche für die meisten Autofahrer mindestens eine Stunde dauert. Dieser konkrete Umweltbeitrag auf Kosten von 83 Sekunden sollte dabei als kollektiver Nutzen und nicht als persönlicher Schaden gesehen werden.
  • Was bringt mehr: eine Geschwindigkeitsbegrenzung der LKW's oder der PKW's?

    Das Geschwindigkeitslimit für schwere Fahrzeuge beträgt 80 km/h. Die Lkw-Motoren sind dabei auf diese Fahrgeschwindigkeit konzipiert und optimiert. Dadurch führt eine Verringerung der Geschwindigkeit unter normalen Umständen (d.h. auf ebener Straße) dazu, dass kein positiver Effekt erzielt wird, sondern im Gegenteil sogar mit einer Erhöhung der Emissionen zu rechnen ist. Dies gilt allerdings nicht für Personenkraftwagen, da bei diesen die optimale Geschwindigkeit (bezüglich Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemissionen) zwischen 80 und 90 km/h liegt. Dementsprechend müssten LKW's mit einer konstanten Geschwindigkeit von 80 km/h, PKW's hingegen mit 90 km/h (um ein Überholen der LKW's zu ermöglichen) fahren. Eine solche Idealkonfiguration ist in der Realität natürlich nur schwer zu erreichen, ein konstanter und gleichmäßiger Verkehrsfluss ist hingegen ein notwendiges Ziel zur Verringerung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen einerseits, sowie zur Erhöhung der Verkehrskapazität und –sicherheit andererseits. Aus diesen Überlegungen können zwei wichtige Aspekte abgeleitet werden:
    1. Die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hat nur bei Fahrzeugen Auswirkungen, die mit einer Geschwindigkeit von mehr als 80 km/h fahren können. Dies schließt fast alle Schwerfahrzeuge aus.
    2. Ein gleichmäßiger und konstanter Verkehrsfluss spielt dabei eine entscheidende Rolle, da dadurch häufiges Beschleunigen und Bremsen, was zu einem signifikanten Anstieg der Emissionen und der Unfallgefahr führt, vermieden wird.
  • Wie wird die Luftqualität gemessen?

    Die Messung der Luftqualität wird auf europäischer Ebene durch die Richtlinie 2008/50/EG und auf nationaler Ebene durch das Legislativdekret 155/2010 geregelt. Dabei ist klar festgelegt, wie, wo, mit welchen Instrumenten und in welcher Konfiguration die Schadstoffkonzentrationen gemessen werden müssen. Somit besteht auf europäischer Ebene eine starke Homogenität in der Erhebung von Luftdaten, wodurch diese auch verglichen werden können. Entlang der Brennerautobahn wird die Luftqualität bereits seit Jahren an zwei Stellen gemessen: in der Nähe von Brixen und von Ala. Die Messungen werden von den jeweiligen Umweltbehörden durchgeführt. Die registrierten Daten sind dabei direkt mit denen der anderen Regionen und EU-Ländern vergleichbar und weisen in ihrer Höhe und ihrem Verlauf eine beeindruckende Übereinstimmung untereinander auf. Im Zuge des Projektes sollen einige Messungen auch mit neuen, innovativen Geräten erfolgen. Dies wird ermöglichen, alle notwendigen Informationen zur Bewertung der Luftqualität in unmittelbarer Nähe zur Wohnhäusern zu Fahrbahn und insbesondere an direkt dem Verkehr ausgesetzten erhalten. Zudem werden diese Immissionsmessungen mit Schadstoffausbreitungsrechnungen ergänzt, um so eine ganzheitliche Aussage über die Luftqualität im gesamten Untersuchungsgebiet zu erlangen.